Bedeutung
Der Reiter ist die Karte 1 des Petit Lenormand, und sein Wort ist denkbar einfach: Etwas kommt an. Kein Versprechen, kein datiertes Ereignis, nur eine Bewegung, die von außen kommt und auf dich zuläuft.
Genau darin unterscheidet sich das Lenormand deutlich vom Tarot. Der Reiter ist keine Figur zum Nachsinnen und kein Bild des Wanderers. Er ist ein Wort in einem Satz, und dieses Wort heißt ankommen, sich nähern, bringen. Er sagt dir, dass Bewegung im Spiel ist, nicht, was diese Bewegung mitbringt.
Auf den Blättern der Dondorf-Linie, um 1890, zeigt die Karte einen Reiter im Galopp, meist nach rechts gewandt, also in der üblichen Leserichtung zur Zukunft hin. Die Schnelligkeit gehört zum Sinn: Der Reiter benennt eine kurze Bewegung, keinen langsamen Vorgang. Wenn du wissen willst, wie lange eine Sache braucht, neigt seine Anwesenheit zum Kurzen.
In einer Legung übernimmt er fast immer eine von zwei Rollen. Entweder bezeichnet er eine Nachricht, eine Information, die in Umlauf ist. Oder er bezeichnet eine Person, die sich auf dich zubewegt: einen Besuch, einen Boten, eine Zwischenperson. Die Nachbarkarte entscheidet zwischen beidem, und sie liefert den Inhalt.
Eine methodische Bemerkung: Der Reiter sagt nie, ob das Ankommende gut oder schlecht ist. Er ist von Haus aus neutral. Neben den Wolken bringt er etwas Unklares, neben der Sonne etwas Klares. Das Urteil kommt immer von der Nachbarkarte, nie vom Reiter selbst.
Spielkarte und traditionelle Deutung
Der Reiter trägt das Einsatzbild der Herz Neun. Diese Zuordnung stammt aus dem ursprünglichen Aufbau des Spiels, das jede Karte mit einer Karte des Pikettblatts zu sechsunddreißig Karten doppelte.
In der deutschen Schule richtet die Farbe Herz die Karte auf das Gefühls- und Beziehungsregister aus. Ein Reiter in dieser Farbe spricht eher von einer Nachricht, die berührt, von einer Bindung, von einem nahen Menschen, als von einer amtlichen Mitteilung. Das ist eine Nuance, keine feste Regel: Der Zusammenhang der Frage bleibt vorrangig.
Manche modernen Ausgaben, vor allem Künstlerdecks, drucken dieses Einsatzbild nicht mehr und ersetzen es durch einen Vierzeiler oder durch gar nichts. Für die Deutung bleibt die Zuordnung gültig, sie fehlt lediglich auf dem Kartenbild.
Wichtige Kombinationen
Das Lenormand wird in Paaren gelesen, und die Grammatik liegt fest: die erste Karte ist das Hauptwort, die zweite das Eigenschaftswort. Der Reiter vor dem Brief sagt etwas anderes als der Brief vor dem Reiter. Im ersten Fall ist das Ankommende ein Schriftstück. Im zweiten betrifft das Schriftstück eine Bewegung.
| Kombination | Deutung |
|---|---|
| Der Reiter + Der Brief | Post ist unterwegs, eine schriftliche Antwort nähert sich |
| Der Reiter + Das Herz | Eine Nachricht in Gefühlsdingen, eine Annäherung, die sich zeigt |
| Der Reiter + Das Haus | Ein Besuch, jemand kommt bis ins Zuhause |
| Der Reiter + Der Weg | Mehrere Nachrichten treffen zugleich ein, eine Wahl stellt sich |
| Der Reiter + Der Fuchs | Eine berufliche Nachricht oder eine Information, die zu prüfen ist |
Mehr zur Mechanik der Paare findest du in der Deutung nach Kombinationen.
Position in der Großen Tafel
In einer Großen Tafel trägt jeder Platz die Bedeutung der Karte, deren Nummer er hat. Position 1 ist also das Haus des Reiters: was ankommt, die erwartete Nachricht, was sich in Gang setzt.
Die Karte, die dort liegt, zeigt, aus welchem Bereich die Bewegung kommt. Die Fische im Haus des Reiters weisen auf eine Nachricht in Geldfragen, der Baum auf eine Nachricht zur Gesundheit. Und fällt der Reiter in sein eigenes Haus, verstärkt sich sein Wort: Die Bewegung ist klar und schnell.
Die vollständige Methode, samt den drei Tafelformaten und der Tabelle der sechsunddreißig Häuser, steht auf der Seite zur Großen Tafel.
Schlüsselwörter
| Register | Wörter |
|---|---|
| Kernaussage | Was von außen kommt und sich in Bewegung setzt |
| Bewegung | Nachricht, Botschaft, Ankunft, Annäherung, Tempo |
| Person | Besuch, Bote, Zwischenperson, wer kommt |
| Rhythmus | Kurze Frist, unmittelbar bevorstehend, knapp |